Archiv für Juli 2012

Gegen den „PraenaTest“ der LifeCodexx AG

„Wir sind,
verdammt nochmal,
alle Menschen.“
(Sebastian Urbanski, Schauspieler)

Stellungnahme

unserer beiden Vereine:
ProMünster e.V. und ProMünsterland e.V.

gegen den „PraenaTest“ der LifeCodexx AG

Die LifeCodexx AG mit Sitz in Konstanz will noch in diesem Monat ihr Produkt „PraenaTest“ auf den deutschen Markt bringen (im folgenden: Praenatest). Es handelt sich um einen pränatalen (vorgeburtlichen) Bluttest, der ausschließlich der Feststellung einer möglichen Trisomie 21 (Down-Syndrom) dient.

Als (in Deutschland) erste nicht-invasive (nicht in die Fruchtblase eindringende) Methode gilt der Praenatest als risikoärmer als die bisher mögliche Fruchtwasserentnahme mittels einer Nadel, und wird von LifeCodexx auch so vermarktet. Gleichzeitig handelt es sich jedoch um die erste Untersuchung, die nur einem einzigen Zweck dient: eine Trisomie 21 so rechtzeitig zu erkennen, dass eine Abtreibung (bzw. Spätabtreibung) noch möglich ist.

Wir protestieren daher entschieden gegen die Markteinführung dieses Produktes. Es kann nicht sein, dass Menschen aufgrund einer Andersartigkeit vor der Geburt aussortiert werden, und ihnen das Recht auf Leben abgesprochen wird. (Schon heute entscheiden sich neun von zehn werdenden Müttern gegen ein Kind mit Down-Syndrom. Ein risikoärmerer Test wird die Test-Bereitschaft von Schwangeren und die Zahl der Abtreibungen erhöhen.)

Mit unserem Protest wissen wir uns an der Seite der Lebenshilfe e.V., die den Praenatest und mögliche zukünftige Diagnosemethoden für „hochproblematisch“ hält. Der Praenatest widerspreche „der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und ihren Zielen einer inklusiven Gesellschaft“ (Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe e.V.)

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, verurteilt ebenfalls den Praenatest. Nach einem Gutachten, das Hüppe in Auftrag gegeben hat, ist der Bluttest illegal, da er gegen das Gendiagnostikgesetz verstößt. Auch für Ungeborene gelte das Diskriminierungsverbot, so Hüppe.

ProMünster e.V. und ProMünsterland e.V. schließen sich diesem Urteil an.

Wir protestieren auf das schärfste gegen die Selektion von Menschen aufgrund besonderer Merkmale. „PraenaTest“ ist illegal und muss umgehend verboten werden. Zugleich fordern wir eine breite gesellschaftliche Diskussion über pränatale und präimplantative Diagnostik. Aufgrund unserer Geschichte tragen wir eine besondere Verantwortung, alles dafür zu tun, dass Menschen nie wieder aufgrund einer Andersartigkeit ausgesondert und ermordet werden.
Eine Gesellschaft, die nicht bereit ist, ihre unterschiedlichen Mitglieder einzuschließen, wird keine Zukunft haben.