Nur ein dummer Scherz?

Vor einer „gefährlichen Person“ warnte der Schauspieler und Sänger Ben Becker (48), der am 26. Oktober im Großen Haus mit einer Lesung aus Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz, zu Gast war, zwei Bundesbeamte am münsterschen Hauptbahnhof. Der Vorfall ereignete sich bei Beckers Abreise am Sonntagmorgen. Beckers Tontechniker, die angeblich „gefährliche Person“, wollte gerade die Bahnhofstraße in Höhe des Hotels „Kaiserhof“überqueren. Die beiden Beamten fanden den Scherz nicht witzig, und forderten den Mann auf, sich auszuweisen. Dazu war dieser aber nicht bereit, ebensowenig wie Becker selbst, der kurz darauf hinzukam. Angeblich soll Becker einen der Beamten wegen dessen Migrationshintergrunds beleidigt haben. („Du bist ja nicht ‚mal Deutscher, heb‘ lieber ‚mal die Fahrräder auf!“) Becker bestreitet die ausländerfeindliche Äußerung vehement, eine Anzeige wegen „groben Unfugs“ und „Beamtenbeleidigung“ wird ihm trotzdem zugestellt. Außerdem erwägt der betroffene Beamte eine private Anzeige gegen Becker. Indes gibt ein weiterer Begleiter Beckers an, einer der beiden Polizisten habe „total überreagiert“ und Becker den Arm brutal auf den Rücken gedreht.

Schöner leben ohne Nazis

theater odos zeigt:
Schöner leben ohne Nazis
Satire über Rechtsextremismus und Alltagsrassismus
In Kooperation mit Storch Heinar
Mitveranstalter in Münster: Pro Münster e.V. – Antifaschistisch, multikulturell, integrativ

„Darf man über Neonazis lachen? Wir finden: Man sollte! Nichts ist so kritisch wie Humor, und nichts so wirksam wie Komik. Also entlarven wir rechtsextremes Gedankengut in unserer Theatersatire „Schöner leben ohne Nazis“ mit viel Witz, Street-Dance und Live-Musik. Doch wie es sich für eine Satire gehört, bleibt dem Zuschauer oft das Lachen im Halse stecken.

Die von uns erzählten Geschichten beruhen auf wahren Begebenheiten, auf Erfahrungen von Ausländern mit Nazis, und mit dem sogenannten Alltagsrassismus. Tiefe Einblicke in die rechtsextreme Szene halfen dabei, das krude Gedankengut dieser Menschen ungeschminkt auf die Bühne zu bringen. Ungeschminkt heißt bei uns aber nicht unkommentiert.

Da ist zum Beispiel die wahre Geschichte in einem Linienbus. Ein Ausländer steigt ein und nimmt irgendwo Platz. Dann steigt eine Frau hinzu, geht zu dem Ausländer und sagt: „Das ist mein Platz.“ Der Ausländer denkt sich, er sitze vielleicht auf dem Behindertenplatz. Doch als er gerade aufstehen will, sagt die Frau: „Das hier ist mein Land.“ Der Ausländer setzt sich wieder und sagt: „Das ist auch mein Land.“

Die Frau textet den armen Ausländer nun zu und überschüttet ihn mit Vorurteilen. Aber plötzlich kommt eine TV-Reporterin und mischt sich ein. Aber sie will von dem Ausländer nur wissen, wie er sich in diesem Moment fühlt. Da der aber gar kein Deutsch versteht, „übersetzt“ die Journalistin das, was sie für medienwirksam hält. Die Szene lebt von verbalem Slapstick und der überrachenden Wendung am Schluss.

Weiter geht’s mit der Gameshow „DSNS – Deutschland sucht den neuen Supernazi“ auf N45. Der erste Preis soll vom NPD-Vorsitzenden Holger Apfel überreicht werden, doch der wird zwischenzeitlich aufgegessen. Am Ende hält eine Agitatorin eine Rede, die anfangs noch aus dem Mund eines Linken kommen könnte. Doch je mehr sie spricht, desto mehr offenbart sich ihr braunes Denken.

Der Ausländer torpediert die rechte Agitation, und fordert die Zuschauer zum Mittanzen auf. Auch die Agitatorin wird miteinbezogen …

Uns ist in dieser Satire wichtig, ungewohnte Umgangsmöglichkeiten mit Rechtsextremen zu testen. Was ist besser: elendige Fernseh-Talkshow-Diskussionen? Schlägereien bei Kundgebungen? Ignorieren? Oder sorgen wir mit einer gemeinschaftlichen Aktion für eine Gemeinschaft, in der jeder Mensch seinen Platz finden kann?“

Schauspiel und Gesang: Alice Mortsch
Tanz: Williams Guemadji
Live-Musik: Heiko Ostendorf

Text und Regie: Heiko Ostendorf

7. und 13. November 2013
20:30 Uhr
Kleiner Bühnenboden
Schillerstr. 48 A
Karten: 0251/ 661759 (Wichtig: Vorbestellte Karten bis 20:1o Uhr abholen!)
Eintritt: €15 (erm. € 11)

Szenenbilder:


Ausschluss:
Die Veranstalter_innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen, und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind, oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren, oder von dieser auszuschließen.

Kinder von KZ-Häftlingen – eine vergessene Generation

Veranstaltungshinweis

Wir machen auf die folgende Veranstaltung der VVN/ BdA Münster und der Emanzipatorischen Antifa Münster aufmerksam, die wir wichtig finden:

Kinder von KZ-Häftlingen – eine vergessene Generation

Lesung mit der Zeitzeugin Ingelore Prochnow und mit Ronja Hesse (Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V.)

Ingelore Prochnow kam im KZ Ravensbrück zur Welt, und überlebte als Baby wohl nur durch die Solidarität unter den Frauen. Seit den 80er Jahren hat sie sich auf die Spurensuche nach ihrer Vergangenheit und Herkunft gemacht, und konnte so ihre Geschichte rekonstruieren. Im April 2011 wurde von der „Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V.“ das Buch: Kinder von KZ-Häftlingen – Eine vergessene Generation, herausgegeben, an dem auch Ingelore Prochnow mitgearbeitet hat. Heute lebt sie in Bielefeld und hat zwei Kinder.

Samstag, 2. November 2013
16:00 Uhr
Geschichtsort Villa ten Hompel, Kaiser-Wilhelm-Ring 28

Mit freundlicher Unterstützung durch das Frauenreferat des AStA Münster

Ausschluss:
Die Veranstalter_innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen, und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind, oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Münster erfahren – eine Friedensstadt

mit Kriegsspuren und vielen Kriegerdenkmälern …

Die Bomben kehren zurück …

… nach Guernika, Rotterdam und Coventry wird auch Münster bombardiert

Die VVN/ BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschist_innen) Münster veranstaltet, in Zusammenarbeit mit dem Verein Pro Münster e.V., eine antifaschistische Fahrradtour:

Am kommenden Sonntag, 13. Oktober, 14:00 Uhr
Treffpunkt für Radfahrer:
Am Zwinger, Promenade/ Ecke Kanalstraße, Münster
(! Schnelle Radtour, Schnitt von über 20 km/ h!)

Treffpunkt für Nicht-Radfahrer: um 15 Uhr am Eingang des Waldfriedhofs Lauheide

Münster könnt ihr auf der Landkarte ausradieren .. sagte ein Bomberpilot, als er von seinem mörderischen Einsatz über Münster zurückkam.

Die Alliierten meinten, mit dauerndem Bombardement die Zivilbevölkerung gegen die Nazis aufbringen zu können. Dieser Plan ging schief. Die Bevölkerung rückte eng zusammen und verfluchte den Krieg – aber (noch) nicht die Nazis.

Die Kriegsübungen der deutschen Luftwaffe im spanischen Guernica und das spätere Bombardement von Rotterdam und Coventry fanden auch in Münster ein tödliches Echo.

So auch am 10. Oktober 1943

Mindestens 550 Menschen starben allein bei diesem Bombardement auf Münster. Über 90 % der Innenstadt wurden dabei zerstört. Krieg trifft immer auch die Zivilbevölkerung.

Wir wollen bei dieser Tour unser Hauptaugenmerk auf die Art und Weise des öffentlichen Gedenkens an die zivilen Opfer dieses Krieges richten. Und fragen, warum bestimmte Nazi-Gedenksteine noch immer auf dem Friedhof zu finden sind – Opfer und Täter werden gemeinsam geehrt?

Startpunkt ist um 14 Uhr am Zwinger an der Promenade. Gegen 15 Uhr wird diese schnelle Radtour am Eingang des Waldfriedhofs Lauheide eintreffen. Nicht-Radfahrer können dann dazukommen. Die Anreise ist möglich mit dem Auto, oder mit der Stadtbuslinie 2 ab Hauptbahnhof um 14:27 Uhr

„Blut muss fließen“

Das KeinenMeter-Bündnis, dem wir als Pro Münster e.V. angehören, zeigt
– in Kooperation mit den Deviants Ultras und dem Fanport des Preußen Münster -

am Montag, 9. September
17:00 Uhr und 20:00 Uhr
im „Schlosstheater“ (Melcherstr. 81)

den Dokumentarfilm „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“.
Neun Jahre lang hat Thomas Kuban, als vermeintlicher „Rechter“, deren – z.T. verbotene – Konzerte besucht und gefilmt. Unter Lebensgefahr dokumentierte er die Verblendung und den Hass, der von Rechtsradikalen ausgeht. Entstanden ist ein Film, der aufrührt und zutiefst beunruhigt.

Ausschluss:
Die Veranstalter_innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen, und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Regisseur Peter Ohlendorf ist anwesend, und steht nach beiden Filmvorführungen für Gespräch und Diskussion zur Verfügung.

„Blut muss fließen“ Kamera: Thomas Kuban Regie: Peter Ohlendorf 87 min
Eintritt: € 5, -